Journalistin & Autorin

4. June 2013
NZZ Campus / Interview

Studieren in Auschwitz

Mateusz Kozub studiert an der Hochschule Auschwitz in Polen - in einem Gebäude, keine Hundert Meter vom ehemaligen KZ Auschwitz entfernt.

Wie fühlt es sich an, an einem Ort zu studieren, der mit so viel Schrecklichem verbunden ist?

Tatsächlich war das am Anfang etwas merkwürdig. Das Konzentrationslager ist wenige Hundert Meter vom Campus entfernt. Im Gebäude, wo wir nun studieren, wohnten die ersten politischen Gefangenen, die das Konzentrationslager aufgebaut haben. Sich das vorzustellen ist grauenhaft. Ich versuche deshalb, gar nicht erst darüber nachzudenken. Die Hochschule ist renoviert, wir haben eine Mensa. Rein äusserlich sieht man also nicht mehr viel von der ursprünglichen Funktion. Im Grunde ist es hier, abgesehen vom KZ, genau gleich wie woanders auch.

Warum hast du innerhalb der Politikwissenschaften den Schwerpunkt «Memory of the Holocaust and Human Rights» gewählt?

Ich wusste nicht von Anfang an: Das ist es jetzt. Alle kennen den Begriff Holocaust, aber ich wollte mehr darüber erfahren. Jetzt bin ich im zweiten Jahr und würde den Schwerpunkt jederzeit wieder belegen, wenn ich nochmals die Wahl hätte.

"Die Frauen hier sind schön. Das entschädigt für vieles." Mateusz Kozub 

Weshalb?

Was hier geschehen ist vor über sechzig Jahren, das war dermassen falsch und schrecklich. Wir müssen doch etwas daraus lernen können für die Zukunft. Viele Menschen interessieren sich nicht mehr sonderlich dafür. Ich will dazu beitragen, dass es den Leuten in Erinnerung bleibt, als Lehrer oder in einem Museum.

Du hättest auch in einer grösseren Stadt wie Krakau studierenkönnen. Warum bist du nach Auschwitz gekommen?

Ich wohne hier in der Nähe,im kleinen Ort Przeciszów. In Auschwitz zu studieren hat mich hier behalten, bei meiner Familie, meinen Freunden. Den Master will ich in Krakau machen. Aber ich denke, ich werde irgendwann zurückkommen. Krakau ist mir zu gross, und Auschwitz ist eine schöne Stadt.

Was unternimmst du, wenn du frei hast?

Unter der Woche gehe ich oft ins Fitnessstudio. Einige haben schon mit 20 Jahren ein Auto, die fahren dann damit herum. Am Wochenende gehe ich mit Freunden weg. In Auschwitz gibt’s drei Clubs. Natürlich ist es manchmal auch langweilig, es ist ja nicht so viel los wie in grossen Städten. Aber die Frauen hier sind schön. Das entschädigt für vieles.